Berliner 'Intellektuelle' um 1800. Eine kontroverse Kategorie und ihre Anwendbarkeit im digitalen Zeitalter
Der Netzwerkgedanke
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Bewusst wurde bei der Antragstellung vermieden, den Netzwerkgedanken in den Titel des Projektes aufzunehmen. Die Unterdrückung dieser Begrifflichkeit hatte zum Ziel, nicht die Erwartung zu wecken, dass mit sozialhistorischen Methoden gearbeitet werden sollte. Die Methode war und ist paläographisch, ideengeschichtlich und literaturgenetisch. Die Einleitung zum ersten Band der Bücherreihe, welche die Ergebnisse der Forschungsgruppe darstellt,
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Netzwerkvisualisierungen sind in eine ganze Reihe von historischen Bereichen eingedrungen, oft mit dem (nicht selten unberechtigten) Anspruch, eine Netzwerkanalyse zu bieten. Die Frage, wozu eine Netzwerkvisualisierung wirklich gut ist, ist nicht immer einfach zu beantworten.
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Während der Mechanismus der Verallgemeinerung einer Fallstudie auf das nächstgrößere, relevante Niveau in historischen Untersuchungen ein routiniertes Verfahren ist, werden die Skalenwechsel, die mit einer Netzwerkvisualisierung zusammenhängen, noch nicht ganz beherrscht bzw. sind noch nicht beherrschbar. Damit sie in einem Netzwerk erfasst werden (im Sinne des SNA), müssen Beziehungen vereinfacht werden, meist in einem Triple-Schema.
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Netzwerkvisualisierungen sind aber nur eine der vielen Formen, die die (digitale) Auswertung digitaler Daten annehmen kann. Andere Auswertungsformen sind auch denkbar, beispielsweise im Fall dieses Korpus eine algorithmische Herangehensweise an die Überarbeitungsphänomene (Streichungen, Überschreibungen) mit dem Ziel, redaktionelle Methoden in Clustern zusammenzuführen und damit systematischer zu erfassen.
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Unabhängig von der gewählten Auswertungsmethode deckt die digitale Aufbereitung solcher Korpora wie derjenigen, die im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens "Berliner Intellektuelle 1800-1830" stehen, drei Arbeitsschritte ab: die Quellenerschließung (Auswahl, Transkription, Metadaten), die Quellenaufbereitung (Annotation, Entitätenerfassung) und die Quelleninterpretation. Dass die Anlage des Korpus eine Interpretation in dem uns interessierenden Sinne unterstützt, schließt nicht aus, dass ein anderes Forschungsprojekt zwar von unserer Quellenerschließung ausgeht, dabei aber eine neue Aufbereitung und Interpretation anbietet. Der wissenschaftliche Mehrwert von deutlich strukturierten, offenen Daten ist prinzipiell immens.
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Anders herum gilt eine solche Ressource nicht an und für sich als Referenz. Ihr Eigenpotenzial rührt vielmehr von ihrer Anlage als Drehscheibe vorhandener Informationen her, die bereits online vorliegen. So können andere Ressourcen per Link im Sinne eines Zitats (und nicht einer inhaltlichen Aneignung) herangezogen werden oder es erfolgt eine Ansammlung von Informationen über standardisierte Verfahren wie der Gemeinsamen Normdatei.
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In ihrer Förderzeit von fünf Jahren hat die Forschungsgruppe im Bereich der traditionellen (analogen) Fallstudie und Interpretation
Anmerkungen
Empfohlene Zitierweise:
Baillot, Anne, Der Netzwerkgedanke, Abschnitt Berliner 'Intellektuelle' um 1800. Eine kontroverse Kategorie und ihre Anwendbarkeit im digitalen Zeitalter, DOI: https://dx.doi.org/10.18716/map/00002/7, in: Gersmann, Gudrun / Jaeger, Friedrich / Rohrschneider, Michael (Hrsg.), Virtuosen der Öffentlichkeit? Friedrich von Gentz (1764-1832) im globalen intellektuellen Kontext seiner Zeit, DOI: https://dx.doi.org/10.18716/map/00002, Publikationsumgebung mapublishing (2016), URL: hier Seiten-URL einfügen (zuletzt abgerufen am: Abrufdatum einfügen), ggf. für die stellengenaue Zitation „Abs.“ und Absatz-Nr. einfügen.
